Segovia

oder auch: die Prinzessin

Eine Stute also!!!

Wie konnte denn das passieren? Nicht, das ich grundsätzlich keine Stuten mag - aber eine eigene? Hätte mir das jemand vor zwei Jahren erklärt.... naja, ich hätte seinen  Geisteszustand bemängelt.

Aber jetzt ist sie meine. Und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen.

 

Unsere gemeinsame Geschicht beginnt an einem Herbsttag auf Gotland.

Ich war gerade ein paar Wochen in Schweden und habe mit ihr Ende September 2012 das letzte, mir damals noch fehlende Trainingspferd, übernommen.

 

Hanna hatte mich vorgewarnt! Die Stute hatte seit ihrem 3. Lebensjahr bereits eine lange Kranken- und Leidensgeschichte hinter sich. Letztendlich war sie auf Ekeskogs angekommen und sollte hier ihre letzte Chance bekommen.

Wunderte mich gar nicht mehr - das war schliesslich so ziemlich die Geschichte von jedem Pferd hier auf der Anlage. Am Ende des Tages waren zwar einige eine Herausforderung, aber gar nichts ist unmöglich.

 

Bei ihr war das anders. Die ersten Tage und Wochen war ich mit meinem Ausbilderlatein wirklich am Ende der Möglichkeiten angekommen. Seit vielen Jahren unter chronischen Rehen leidend, hatte sie ebenfalls EMS entwickelt. Ich nehme an, die jahrelangen Schmerzen und die Unbeweglichkeit im eigenen Körper haben dazu geführt, dass sie auch psychisch dicht gemacht hat und eher wie eine Maschine funktioniert hat.

 

Das wir auch keine wirklichen taktklaren Grundgangarten hatten, hat das die Ausbildung nicht unbedingt erleichtert.

Nach vielem herumexperimentieren haben wir eine Ebene gefunden, auf der das Pferd sich einigermaßen wie ein Pferd bewegen konnte.

 

Und dann ging es bergauf.

Mit der körperlichen Beweglichkeit kam auch die geistige. Trotzdem dauerte es noch Wochen, bis sie mich das erste Mal angeschaut hat.

 

Naja, was soll ich sagen? Als sie es dann getan hat, war ich sofort und auf der Stelle verloren. Aber sowas von...

Das Wichtigste, was sie bis dahin gelernt hatte, war also: Wenn man die Frau nett anblinzelt, dann kriegt die ganz weiche Knie ;-)

 

Das kann sie auch jetzt noch - in Perfektion.

Eine Schülerin aus Deutschland war kürzlich hier und sagte: "Schon alleine, um zu sehen wie ihr euch gegenseitig anstrahlen, hat sich der lange Weg gelohnt."

Unsere Lieblingsfotografin Lotte hat es bei ihrem ersten Treffen gut formuliert:

"Es ist beeindruckend, was dieses Pferd aus reiner Willenskraft zustande bringt."

 

Sie hat mich sehr tief berührt, mit ihrem Kampf zurück in ein normales Leben und ist schnell zum Highlight meines Reitalltages geworden. Wenn man mich auf dem Hof sucht, haben die Praktikanten die Angewohnheit zu schauen, in welche Richtung ihre Ohren stehen - da findet man mich sicher.

 

 

Sehr bald hat sie den Rufnamen Prinzessin abgekriegt.

Und zwar für ihr wunderbares Plinkern mit diesen unglaublich langen Wimpern.

 

Mit jedem Tag an dem es ihr besser ging, hat sie an Selbstbewusstsein gewonnen. Und ich schwöre, dass sie seit dem Tag an dem sie offiziell mir gehört, sich ein kleines bisschen weniger damenhaft benimmt als vorher ;-)

 

Im Juli 2014 trat Hanna auf einmal in die Reithalle und hielt mir einen Vertrag unter die Nase.  "Manche Dinge sollte man einfach nie mehr trennen, und machen wir uns nichts vor, sie ist doch eh schon lange dein Pferd." Da bin sogar ich kurz sprachlos gewesen!

 

Danke, Hanna. Ich werde mein Bestes geben und immer auf unser kleines Mädchen aufpassen und alles tun, damit es ihr weiterhin gut geht und sie sich so prächtig entwickelt, wie sie es jetzt schon macht. Versprochen!