Despino


Despino während seiner akademischen Ausbildung

Als Bent Despino kennenlernte, war sein trockener Kommentar dazu: "Na, den musst Du wohl ausbilden, für den kriegen wir sonst noch nicht mal den Schlachtpreis!"

 

Ein halbes Jahr später fügte er noch schmunzelnd hinzu: "Das wird nett mit euch Beiden. Also, mach dir keine Hoffnungen, das wird sicher nie ein einfaches Pferd - aber dann wird Dir ja auch langweilig..."



Als ich Despino kennenlernte, war er süße 3 Jahre alt.

 

Mein Pferd war gerade gestorben, ein kleiner, hübscher Spanier, mit dem ich eine ungewöhnlich enge Bindung eingegangen war.

 

Nachdem ich ursprünglich kein Pferd mehr nach Montanas Tod anfassen wollte, gab es diverse Interventionen - unter anderem hatte eine enge Freundin plötzlich so unglaublich große Probleme mit ihrem Pferd, dass sie natürlich "dringend" Hilfe brauchte. Und "natürlich" gar niemand Anderen für den Job finden konnte....

 

Mein Großvater, schon immer mein Held und pragmatisch veranlagt, entschied: "Das Kind braucht ein neues Pony, damit es endlich wieder aufhört den ganzen Tag zu heulen...!"

 

Als ich mir diverse Spanier angeguckt hatte, war mir klar: Ein Spanier wird es sicher nicht!!!! Den Einen, für mich ganz besonderen, einfach durch den Nächsten zu ersetzen, erschien mir einfach grundsätzlich falsch und fühlte sich nicht gut an.

Dann lief Despino mir über den Weg, und es war quasi Liebe auf den ersten Blick - hübsches Köpfchen, klein und kompackt, ziemlich irre - genau mein Format! Und als Hannoveraner das genaue Gegenteil meines Spaniers! Mein Opi war begeistert. Der sollte es also sein...!

 

Für alle, die es bisher noch nicht mitbekommen haben: ich mag gerne Pferde mit, naja, sagen wir mal, Charakter.

 

Als Despino ein paar Wochen bei mir war, sagte mein Freund ganz knapp, er hätte mich ja schon mit vielen seltsamen Pferden gesehen und er wüßte ja, dass ich weiß was ich tue, aber dieses Mal hätte er das erste Mal wirklich Angst um mich.

 

Der Kleine hatte ganz konkrete Vorstellungen davon, was er so wollte - aber vor allem, was nicht. Das jemand in seine Box kommt zum Beispiel, wollte er nicht so gerne. Über den Hof führen eigentlich auch nicht. Und Hufe auskratzen - nöööö. Wasser gegen Beine - undenkbare Frechheit meinerseits :-)

 

Als er in der Tierklinik, in der ich praktischer Weise arbeitete, kastriert werden sollte, sah ich unsere Anästhesistin in Richtung seiner Box gehen. Als nächstes hörte ich sie wütend schreien und schimpfen. Als ich flugs um die Ecke bog, hatte mein Pferd sie in die Ecke gedrängt und stand auf zwei Beinen vor ihr. Auf seiner Stirn stand in Leuchtschrift geschrieben: "Bewegst Du Dich, krieg ich dich!"

Spätestens da war mir klar: das wird noch spannend!

Glücklicherweise hatte ich mir eh vorgenommen, dem Kleinen zuerst eine erzieherische Basis angedeiehen zu lassen und ihm dann noch mal eine Pause zu geben, bis er 5 Jahre und somit erwachsen war....

Im Mai 2013
Im Mai 2013

5jährig ritten wir ihn also an und berufsbedingt hatte er kurz später dann noch einmal gute 8 Monate Pause. Aber das ist eine andere Geschichte....

 

2015 wird der "Kleine" 12 Jahre alt - und seit 2009 Jahren habe ich ihn konstant in der Arbeit. Und ich bereue keinen Tag, mich für ihn entschieden zu haben.

 

Ja, einfach ist anders. Dieses Pferd ist charackterstark, anstrengend, manchmal auch richtig ätzend. Es verlangt nach einer gerechten, sanften und vor allem ganz konsequenten und konkreten Führung. Jeder Fehler, den ich mache, verfolgt mich wochenlang. Er verlangt jede Sekunde meine volle Aufmerksamkeit. Und zwar von dem Moment an, wenn ich in seine Richtung gehe, bis hin zum Abschiedsmörchen. Er spiegelt mich nicht nur, er verstärkt meine positiven und vor allem die negativen Eigenschaften - legt dann eine Lupe an, gibt noch etwas Wahrheitserum dazu, bevor er das Spiegelbild zurück schmeißt. Wenn ihm nicht gefällt, was er sieht, ist er aus Grundprinzip nur eins - dagegen!

 

Und genau deshalb macht er es mir möglich, unglaublich viel von ihm zu lernen, wofür ich ihm unglaublich dankbar bin. Wir lieben uns heiß und innig, genießen die Arbeit und den Umgang miteinander und haben uns schon lange für einander entschieden - warscheinlich schon am ersten Tag.

 

Und - jetzt mal ehrlich - einfach ist ja auch für Anfänger, oder?