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Despino & die Energetik

 

Hätten Sie mich vor Kurzem gefragt, was wir benötigen, um die physische und psychische Losgelassenheit des Pferdes herzustellen, hätte ich Ihnen glaubhaft erklärt: „Richtig Reiten reicht“ (geklaut bei Oberst P.v. Stetten).
Verstehen Sie mich nicht falsch, das glaube ich noch immer, und zwar aus tiefstem Herzen.

 

Trotzdem, oder grade deshalb, möchte ich mit Ihnen ein besonderes Erlebnis teilen. Wenn Sie meine Seite oder mein Facebook regelmäßig verfolgen, haben Sie sicherlich mitbekommen, dass ich mich seit einiger Zeit verstärkt dem Thema eigene Weiterbildung widme. Systemisches Coaching, The Work, Osteopathie, energetische Arbeit und, seit neustem, Meridiane und Akupunktur stehen auf meinem Lehrplan.

 

Jetzt ist folgendes passiert:
Mein Despino und ich haben einen wunderbaren Abendritt geteilt, die Sonne strahlte auf das Wasser und wir gallöppelten in trauter Zweisamkeit in den Sonnenuntergang. Ach, schön.
Beschwingt haben wir die Arbeit beendet. Zurück auf dem Paddock gab’s ein extra Möhrchen – Liebe geht schließlich auch durch den Magen. Segovia hatte Lust mit mir zu arbeiten, und gemeinsam sind wir zwei Mädchen abgezockelt, und haben Despino seinem Heu überlassen. Dass fand mein Grosser mit seiner extra Motivation aber ganz doof. Er wollte mit. Und dachte sich so, wenn er die Abkürzung nimmt, ist er schneller da als wir. Die Abkürzung ist ein Sprung über einen 1,50 hohen Betonblock direkt in den Stall.

Anmerkung: Ich erzähle von Despino, der normalerweise schon eine Bordsteinkante als zu hoch erachtet.

Dass dieses Ding nun aber wirklich zu hoch war, hat er gemerkt, als er darauf fest hing. Er hielt sich mit den Karpalgelenken vorne fest, während die Hinterbeine in der Luft hingen. Die Hüfte "hakte" quasi.
Ich stand daneben, und konnte es nicht fassen. In den 30 bis 45 Sekunden, in denen ich den Kampf meines geliebten Pferdes beobachtet habe, wurde ich heiß, kalt, rot, weiß. Ich konnte zusehen, wie die Haut an den Vorderkannte des rechten Hinterbeines sich abschälte. Mir war übel, ich fing an zu beten und ich hab schon mal den erste Hilfe Kasten kommen lassen.

Glücklicherweise bin ich nun ganz gut ausgestattet, sowohl mit medizinischem Equipment als auch mit etwas Erfahrung. Erfahrungsgemäss kann ich mich auf mich verlassen und behalte so lange die Nerven, bis fertig ist ;-)

Also dann Schritt 1: Vitalfunktionen prüfen, Wunde säubern, Bein kühlen, Entzündungshemmer ins Pferd.

Schritt 2: Tierarzt anrufen, Röntgen lassen, weitere Versorgung in fachtierärztliche Hände legen. 

Soweit der Plan. 
Dass es einen Fehler im System gibt, stellen Sie fest, wenn Sie den Tierarzt anrufen und um Hilfe bitten,  und dieser Ihnen mitteilt, dass das nächste Röntgengerät 2 Stunden und zwei Fjorde weiter steht. Stop. Das tun wir sicher nicht, wenn akuter Verdacht auf eine Fissur besteht. Sollte das nämlich so sein, dann ist das Bein ganz sicher gebrochen, wenn wir da sind.

Also dann – so ruhig wie möglich halten und auf eine Versorgung warten. Teilt der einzig erreichbare Tierarzt Ihnen nun mit, dass er gegen Mitternacht (es war 19 Uhr) kommen könnte, um Schmerzmittel zu spritzen (Antibiose wäre nicht vorrätig, die kommt nächste Woche wieder, oder ich könnte morgen was bestellen, die wäre dann aber auch nicht früher da) – dann ist man irgendwo zwischen Ohnmacht und Wutanfall. Dankeschön, Entzündungshemmer habe ich bereits gespritzt bevor ich anrief. An Optionen bleibt dann noch: Beten. Beten ist also die beste Option, damit hier alles gut geht.

Oder warte kurz. Kürzlich in der Ausbildung ….. da ging es doch um …. Richtig. Akute Traumen im Rahmen der chinesischen Medizin. Energieseen, Energiestau, Energie abziehen. Ach ja, und Farblicht als Therapiehelfer.
Insgesamt bin ich ein recht offener Mensch und der Energetik zugewandt, aber in diesem Fall wäre mir eine hübsche Antibiose wirklich lieber gewesen. Trotzdem: Schlimmer werden kann es ja nicht mehr, und alles ist besser als Nichtstun und zusehen.

Ich began also mit behandeln. Nach dem Abziehen der  Energie hörte mein Pferd auf zu zittern.  Mit Blaulicht bestrahlt begann Despino abzukauen. Da war ich schon ziemlich beeindruckt.

Ein akutes Trauma geht oft einher mit Schwellungen und angelaufenen Beinen, also ein lymphatischem Stau. Sind drei von vier Beinen betroffen, ist das natürlich besonders schlecht. Lymphmassage ist die logische Konsequenz, und während der Behandlung entspannte mein Pferd sich weiter.

Die beeindruckenste Reaktion bekam ich auf die folgende Merdianmassage. Da mein Pferd die schwersten Verletzungen an der Hinterhand hatte, behandelte ich mit einer Massage aller Meridiane in der vorderen Hälfte des Pferdes. Despinos Atmung beruhigte sich merklich sofort, er senkte den Kopf ab und prustete zufrienden vor sich hin.

Zum Ende der Behandlung waren zwar immer noch Hautabschürfungen zu sehen, und ich war fürchterlich erschrocken, aber mein Pony war in einer offenbar geistig und körperlich guten Verfassung. Er hatte Appetitt, normale Vitalwerte und interesse an seiner Umwelt.

Als ich am nächsten Morgen früh und etwas ängstlich zum Hof kam, hatte mein Pferd - gar nichts. Das rechte Bein war leicht angeschwollen, das war's. Ich war beeingdruckt. Dranbleiben, dachte ich mir. Damit da nicht noch was nachkommt.
Eine ganze Woche habe ich zweimal täglich massiert, bestrahlt, Meridiane gezogen. In der zweiten Woche jeden zweiten Tag, in der dritten nur noch zweimal, in der vierten bei Bedarf.
Wir sind ohne Entzündung, Lymphstau oder sonstige Komplikationen über den Unfall hinweg gekommen. Nach zwei Tagen waren die Wunden verkrustet, nach dreien war er taktklar im Schritt auf hartem Untergrund und hat alle Beine gleichmässig belastet. Vorsichtig, aber belastet.
In der zweiten Woche war ihm ohne Arbeit langweilig genug, um zu meinem Entsetzen mal etwas Gallopp über den Paddock zu wagen.
Anfang der dritten habe ich am Gangbild keine Unregelmäßigkeiten mehr sehen können.

Viel spannender aber: Ich habe eine deutliche Verbesserung gesehen.

In all den Jahren hat mein Pferd noch nie die Hinterbeine im Freilauf komplett aus dem Boden heben können. Jetzt konnte er es, und zwar grade und gleichmäßig. Sein Leben lang, auch in unseren besten Reitphasen, habe ich immer gegen einen Axthieb und einen etwas hängendes Brustbein angeritten. Ende der dritten Behandlungswoche war der Axthieb weg.

Bei Trainingspausen von mehr als drei Tagen sah mein Großer immer eher wie ein Esel aus als wie ein Hannoveraner.  Jetzt konnte ich beobachte, wie die Oberlinie sich jeden Tag besser definierte, trotz Verletzungspause.
In den Jahren seit ich ihn kenne hat er immer ein konstantes Level von 3 kg Hafer am Tag gebraucht, um sein Gewicht zu halten. Zusätzlich zu freiem Heu. Immer trank er wenig bis zu wenig, bei 20l am Tag war ich schon happy. Plötzlich muss ich den 60l Eimer für meine zwei Pferde auf dem Paddock zwei- bis dreimal täglich füllen.
 
Wir kennen uns nun 11 Jahre, und vermeiden seit 10 jegliche Arbeit am Caveson. Ohne Anlehnung konnte ich in der Bodenarbeit seine verdrehten Gelenke nie ganz grade richten, ohne Reitersitz zur Unterstützung selten seinen Brustkorb gut rotieren.

Als ich angefangen habe, am Caveson etwas Rehaarbeit zu machen – sie glauben es nicht – war das Pferd in sich ganz grade, schwungvoll und in sich geschlossen und nicht wie ein Pferd, dass grade über Wochen Verletzungspause hatte. Seit einigen Tagen sitze ich wieder auf seinem Rücken und versuche mich vorsichtig vorzutasten.  Ab und zu halte ich an und kontrolliere, ob ich auf dem richtigen Pferd sitze. Nicht, dass auf einmal alles perfekt ist – aber die Bewegung ist eine völlig andere, sein angeborener Axthieb verschwunden und die Schulter vom ersten Schritt frei.

Verstehen Sie mich nicht falsch - Ich möchte nicht sagen, dass Sie ab sofort nie wieder einen Tierarzt an ihr Pferd lassen sollen – im Gegenteil, sollten Sie jemand k
ompetentes  in Nord-Norwegen kennen, am besten mit mobilen Ultraschall und Röntgen – geben Sie mir bitte sofort die Nummer, falls ich eines meiner Pferde noch einmal in Not geraten sollte.

Trotzdem kommt mir ab und an der Gedanke, ob die ganze Geschichte nicht auch seine positiven Seiten hatte…..und dass sich mein Weiterbildungsdurst schon für die eigenen Pferde gelohnt hat :-)

 

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